2.3 Die Verbreitung des Rāmāyaṇas in und außerhalb Indiens

Einen auch nur halbwegs vollständigen Überblick über die weltweite Ausbreitung des Rāmāyaṇas zu geben, würde den Rahmen dieser Einleitung sprengen. Die verschiedenen Fassungen des Rāmāyaṇas sind in der Tat weit verstreut. Zum einen sind da die Übersetzungen in die verschiedenen Sprachen und Dialekte Indiens (Hindi, Bengali, Assamisch, Oriya usw.). Darüber hinaus kennt man viele Versionen, die sich im Laufe der Zeit mit anderen Formen der Verehrung (u. a. Śaktismus und Śivaismus, aber auch weiteren Formen des Viṣṇuismus) und lokalen Traditionen vermischt haben. Einige dieser Versionen sind in Versform, die meisten aber in Prosa überliefert.
Zum anderen gibt es die teilweise stärker abweichenden Fassungen in Sprachen außerhalb Indiens, insbesondere in Süd- und Südostasien. So kennt man in Thailand bspw. das Rāmāyaṇa als Rāmakien und in Kambodscha als Reamker. Das Rāmakien wird auf König Rāma II. zurückgeführt. Weiterhin seien noch erwähnt: das Kakawin Rāmāyaṇa aus Indonesien, das Rāmakavaca aus Bali, das Hikayat Seri Rāma aus Malaysia, das Maradia Lawana von den Philippinen sowie Fassungen in Japan, Nepal, Tibet, Turkestan und Laos.
Neben Vālmīkis Rāmāyaṇa haben in Indien besonders Kambars Kamba-rāmāyaṇam in Tamil und Tulsīdās’ Rāmacaritamānasa hervorstechende Bedeutung. Tulsīdās’ Werk des Rāmāyaṇas (16. / 17. Jhd.) ist in Indien außerordentlich bekannt und beliebt, was u. a. darin begründet liegt, dass es nicht in Sanskrit, sondern in einem leichter verständlichen Hindi-Dialekt Nordindiens (Avadhi) niedergeschrieben wurde. Bei einigen Hindus gilt Tulsīdās sogar als Wiederverkörperung Vālmīkis. Tulsīdās soll durch die persönliche Hilfe Hanumāns eine direkte Begegnung mit Rāmacandra gehabt haben.
Doch was ist eigentlich die Handlung des Vālmīki Rāmāyaṇas? Was erwartet den Leser in den einzelnen Teilen? Im Folgenden dazu eine kurze Zusammenfassung der jeweiligen Bände.
 
  • Besucher unserer Seite:
  • 46810

Suchen