Für ein besseres Verständnis dieses gewaltigen Epos empfehle ich daher, sich vor dem eigentlichen Text des Rāmāyaṇas der hier folgenden Einleitung in Geschichte, Bedeutung, Aufbau und kulturellem Hintergrund dieses Werkes zuzuwenden. Die Thematik ist naturgemäß weitläufig, und vieles kann ich nur anreißen. Manche Themen, auf die ich in dieser Einleitung oder dem Anhang 1 nicht eingehe, werde ich in späteren Bänden aufgreifen und vertiefen.

1.1 Vālmīkis Rāmāyaṇa – seine Bedeutung im vedischen Kontext

Goldman weist mit Recht darauf hin, dass das Rāmāyaṇa seit Jahrtausenden Menschen auf verschiedenen Ebenen begeistert. Es ist über die Jahrtausende immer ein untrennbarer Teil der Kultur, Religion und Gesellschaft des indischen Subkontinents geblieben und hat das Leben und den Alltag der vielen indischen Völker, Lebensarten und Weltanschauungen maßgeblich und auf vielfältige Weise geprägt.
Manche Leser mögen beispielsweise die Geschichte als ein phantastisches und phantasievolles Märchen gelesen haben. Wer sich für Welten interessiert, in denen die Menschen nur eine Gattung unter vielen waren – in denen neben den Menschen Wesen lebten, die nicht nur von anderer Gestalt waren, sondern auch über andere Kräfte verfügten; die von Regionen und ihren Bewohnern erzählen, die zwischen den Lebenden und den Toten liegen; in denen die Menschheit ein anderes Bild des Universums kannte und sich der teilweise weit überlegeneren Stellung anderer Wesen bzw. Götter bewusst war – dieser Leser wird das Rāmāyaṇa als eine beeindruckende Sammlung außer­gewöhnlicher und spannender Geschichten sicher wertschätzen. Wer begierig ist, in die Geheimnisse großer Mystiker einzudringen und über fliegende Affen und magische Waffen zu hören, oder mit anderen Worten, wer sich für sagenhaft anmutende Epen wie „Der Herr der Ringe“ interessiert, wird auch das Rāmāyaṇa begeistert aufnehmen.
 
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