Goldman identifiziert drei wesentliche Versionen des Werkes:
Der Text ist uns in hauptsächlich zwei regionalen Ausgaben überliefert wor­den, in der Ausgabe des Nordens (N) und in der Ausgabe des Südens (S). Jede dieser Ausgaben erscheint in einer ganzen Reihe von Versionen, die jeweils von Zeit, Ort und Umständen, in denen die jeweiligen Versio­nen geschrieben wurden, beeinflusst sind. Die Fassungen des N weisen weniger Gemeinsamkeiten auf als die des S, und die Erstere mag man sogar in zwei weitere Gruppen unterteilen, eine Fassung des Nordostens (NE) und eine des Nordwestens (NW). Diese drei Hauptausgaben unterscheiden sich deutlich voneinander. Ungefähr ein Drittel des Textes der jeweiligen Ausgaben findet sich in den anderen beiden Fassungen nicht.
Ausführliche textkritische und texthistorische Studien, die letztlich in der Zusammenstellung einer allgemein gültigen Ausgabe gipfelten, haben aber unserer Meinung nach nichtsdestoweniger eindeutig bewiesen, dass alle existierenden Ausgaben in all ihren verschiedenen Fassungen zu einer einzigen, mehr oder weniger homogenen, Urfassung zurückverfolgt werden können. Denn die in den verschiedenen Fassungen, Unterfassungen und Versionen anzutreffenden zahlreichen und wichtigen textlichen Unterschiede führen nicht zu abweichenden Varianten des grundlegenden Handlungsablaufes. Weder der Inhalt des Werkes noch sein Ton und seine Aussage in Bezug auf Moral und Lehre noch die Beschreibung seiner Charaktere weichen in einem bedeutsamen Maße voneinander ab.
Auch meine Studien verschiedener Ausgaben des Rāmāyaṇas bestätigen Goldmans Forschungsergebnisse. Alle Ausgaben des Rāmāyaṇas, ob sie in oder außerhalb Indiens anzutreffen sind, gehen auf eine ursprüngliche Fassung zurück, die man am ehesten Vālmīki zuschreiben muss. Mit meiner Übersetzung bemühe ich mich, möglichst nah am Text von Vālmīkis Rāmāyaṇa zu bleiben. Ich habe daher, wie oben schon erwähnt, weder Teile von Tulsīdās’ berühmten Rāmacaritamānasa eingefügt noch Text aus dem Adhyātma-Rāmāyaṇa des Brahmāṇḍa Purāṇa, noch aus dem im Mahābhārata enthaltenen Rāmāyaṇa (Rāmopākhyāna) oder den Kapiteln des Śrīmad-Bhāgavatams (Canto 9), die alle die Geschichte Rāmas in einigen Kapiteln oder in vollständigen eigenen Texten wiedergeben.
Hinsichtlich des Verhältnisses der südlichen und der nördlichen Ausgaben des Rā­mā­yaṇas zueinander verweise ich auf meine ausführlichen Erläuterungen in Anhang 3.
 
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